„Ein grauer Tag im August“ – Theaterprojekt

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Foto: Kutscher

„Ein grauer Tag im August“

Dramatische Verarbeitung der Zeitgeschichte: Erinnern an den Mauerbau vor 55 Jahren

Schiller hat einmal Folgendes gesagt: „Die ganze Weltgeschichte ist ein ewig wiederholter Kampf der Herrschsucht und Freiheit.“ Ganz soweit möchte man nicht gehen mit Blick auf das Theaterprojekt einiger Schüler des MGG, welche sich in mühsamer Arbeit dem schweren Stoff der Zeitgeschichte genährt haben; durchaus aber ist man bereit, zu behaupten, dass die Geschichte die stete Auseinandersetzung zwischen Unfreiheit und Freiheit lehrt, zwischen Diktatur und Demokratie.

Motiviert von jenem herausfordernden Widerspruch, jenem durchweg menschlich gestalteten Paradoxon, haben sich mehrere Schüler Anfang des Jahres 2016 daran gemacht, sich mit einem Stück zur DDR-Geschichte auseinanderzusetzen: Aufgrund des Jubiläums des Mauerbaus vor 55 Jahren, aufgrund der Tatsache, dass man mit der dramatischen Bearbeitung jenes Teils der deutsch-deutschen Zeitgeschichte diese zentrale Widersprüchlichkeit fassen und reflektieren kann, hat man begonnen, die Geschichte der Familie Müller zu erzählen, deren Leben unmittelbar vor dem Mauerbau, deren Tragik im Zuge der politischen Prozesse hinter der Familienfassade.

Schnell ist den Schülern in den Proben aber bewusst geworden, dass man nicht „einfach nur“ ein dramatisches Stück aufführen, nicht „einfach nur“ die Geschichte der Familie Müller darstellen können; folglich hat man frühzeitig darüber nachgedacht, die Theaterfiktion zu durchbrechen, eine Aufführung zu kreieren, in welcher die fiktiven Bühnenhandlung durchdrungen wird durch Kommentare von Zeitzeugen und Politikern, durch Effekte der Verfremdung, sei es durch musikalische Beiträge oder aber durch Lichteffekte, sei es …

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Foto: Kutscher.

Es ist eine Aufführung entstanden, die durch ihre Geschichte wiewohl durch ihre vielfältigen Effekte mehr als nur einen Eindruck unter den Zuschauern hinterlassen hat; viele der Besucher sind beeindruckt gewesen, einige haben sich gar weitere Aufführungen an anderer Stelle gewünscht, gar gefordert. Ein solches Lob, auch aus dem Munde von Zeitzeugen und Politikern aus dem Bayerischen Landtag, darunter Frau Celina (BÜNDNIS 90/ die GRÜNEN), Herr Felbinger (FW) und Herr Rosenthal (SPD), hat die Darsteller einerseits, die Theatermacher andererseits tief berührt: Danke an dieser Stelle!

Betrachtet man an dieser Stelle ebenso den Weg bis zur Aufführung, dann muss ich mich ganz besonders bei den Schülern und den unterstützenden Lehrkräften bedanken: All diese haben einen Großteil ihrer Freizeit geopfert, um dieses einmalige Projekt auf die Bühne zu bringen.

Es geht dabei nicht nur um die Probenzeiten unter der Woche, nicht nur darum, dass die Schüler mehrere Wochenenden geopfert haben, um an diesem Theaterstück mitzuwirken, es geht vor allem auch um die zusätzlichen Termine, welche durch einen Großteil der mitwirkenden Schüler wahrgenommen worden sind: Angefangen bei Besuchen der jeweiligen Schirmherren bis hin zur gemeinsamen Durchführung von Debatten mit Zeitzeugen und Politikern. Natürlich haben die Schüler dabei nicht nur die gegenwärtigen Deutungen von Zeitgeschichte kennengelernt, natürlich haben sie dabei nicht nur ihre eigenen Rollenprofile vertiefen können, nein!, sie haben dabei bemerkt – so hoffe ich – dass das, was sie spielen, mehr ist als nur ein Spiel: Es ist dramatisierte Zeitgeschichte, interpretierte Auseinandersetzung mit dem, was andernfalls in Vergessenheit zu geraten scheint.

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Foto: Kutscher.

Ich kann mich an dieser Stelle bei all den teilnehmenden, den unterstützenden Schülern und Lehrern für dieses wundervolle, dieses tolle Projekt bedanken! Natürlich hoffe ich, dass das Stück auch an anderer Stelle aufgeführt werden kann; darüber würde ich mich persönlich sehr freuen, auch deshalb, weil Frau Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) hat anfragen lassen, ob eine weitere Aufführung geplant sei, an der sie dann vielleicht selbst teilnehmen könne. Eine weitere Aufführung … Es würde meine Schauspieler und mich freuen!

An dieser Stelle sei mir der Verweis auf Novalis gegönnt, wenn er schreibt: „An die Geschichte verweise ich euch. Forscht in ihrem belehrenden Zusammenhang nach ähnlichen Zeitpunkten und lernt den Zauberstab der Analogie gebrauchen.“ Ich muss gestehen: Die Geschichte treibt mich weiter an; es scheint, als benötige die Geschichte nur des Theaters, um ihr Lehrpotential zu entfalten. Welch wunderbarer Zauber … Nicht?

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